Schlusswort

„Ich kann nicht glauben, dass die Zeit so schnell vergangen ist!“ Wie oft habe ich diesen Satz wohl in den letzten Tagen gehört, gedacht und gelesen. Recht habt ihr!

Also, hier das Fazit: New York war toll – und wird es wohl auch weiterhin bleiben. Zumindest für die, die noch da sind. Oder eben da waren. Und das beste: Ich kann genau das nicht schreiben ohne zu lächeln. Die Zeit, die Stadt, das Erlebte war (und ist) einfach unglaublich, genial, entspannend, aufregend, unvergesslich, beängstigend, befreiend. Eben einmalig. Ich weiß, das klingt total pathetisch. Kitschig. Wie aus einer amerikanischen Schnulz-Komödie. Aber so ist es.

Ich habe mir einen Traum erfüllt, genau gesagt mir erlaubt ihn zu leben. Und glaubt mir, das ist tatsächlich viel einfacher als man denkt. Denn faktisch gesehen muss man nur einen Flug buchen, ne Bleibe finden und braucht das nötige Kleingeld. Letzteres, gebe ich gerne zu, ist für New York ein bissl mehr also an manch anderem Ort. Jedoch ist der Preis, den man zahlt, nichts im Gegensatz zu dem, was man bekommt. Die Zahlen sprechen für sich: Die erlebten 2037 Stunden kann mir keiner nehmen. Die Momente des Glücks und die unvergesslichen Bilder sind ab jetzt für immer ein Teil von mir. Und dafür bin ich unendlich dankbar.

Würde ich das ganze noch einmal machen?
Oh ja! Und zwar ganz genau so.

Könnte ich in New York wohnen?
Joa. Durchaus. Aber nur, wenn ich mir den Lebensstandard dort leisten könnte, der für uns hier so normal ist.

Werde ich wieder nach New York reisen?
Oh jaaa! Aber dann wohl tatsächlich nur zu Besuch.

Welcher Moment war der schönste?
Als mich ein Deutscher auf der Straße eine „verrückte New Yorkerin“ nannte, mit dem Glauben, dass ich es nicht verstehen würde. Da musste ich lauthals lachen.

Und was war das unschönste an der Stadt?
Der stetige Lärm. Selbst hinter den verschlossenen (Papp-)Türen. Daran werde ich mich wohl niemals richtig gewöhnen können.

Ihr Lieben, ich sage Good-Bye. Danke, dass ihr so fleißig gelesen und kommentiert habt. Für euren Input, die Aufgaben und eure Unterstützung. Viele Menschen sind mir in den drei Monaten noch viel, viel mehr ans Herz gewachsen und ich habe tolle Leute kennen gelernt. Meiner Family gehört ordentlich viel Dank. Genau wie dir, liebe Debby und natürlich auch dir, lieber Tom. Ich könnte und würde die Liste gern unendlich weiterführen… aber werde lieber BOY für mich sprechen lassen. Denn dieses Lied habe ich sehr oft in New York gehört. Und es passt verdammt gut zu dem, was jetzt kommt. Nämlich anything….

Danke. Die Maria.

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2008. Stunde: Verrückt, verrückter, Lady Gaga!

Über ihre Musik kann man sich streiten, das gebe ich gern zu. Und ihr Style wurde mehr als genug besprochen – beim Kaffee, in Zeitschriften, aber auch von Modeexperten. Doch eines muss man der verrücktesten Lady des Showgeschäfts lassen: Sie kann sich verkaufen und seit neuestem auch alles, was ihren Namen trägt.

Denn kein geringeres Edelkaufhaus als Barneys hat Lady Gaga einen eigenen Bereich gewidmet. Und der hat wirklich Gaga-Style. Lady Gaga New York Barney's Ob Gummibärchen, Reisepass-Leder-Hüllen, Cupcake-Förmchen, Haarteile oder eben Teetassen – hier fallen Lady Gaga Fans entweder in Ohnmacht oder bringen ihre Kreditkarten zum Glühen. Oder eben die von Daddy. Alles, was man definitiv nicht zum Überleben braucht, gibt es hier überteuert und in der Lady Gaga Version. Absolut abgefahren!

Muss man es mögen? Ach nöö. Nicht unbedingt. Aber den Hut sollte man schon ziehen. Immerhin war die Sängerin vor wenigen Jahren noch eine unbekannte, relativ erfolglose Künstlerin, die ab und zu eine Jazz Bar gefüllt hat. Jetzt schafft sie das ohne Probleme mit Stadien. Sowie mit Geldsäcken. Ich bin wirklich beeindruckt, zumal die Dame genau einen Tag jünger ist als ich.

1998. Stunde: Ein letztes Mal…

… zum Lieblings-Diner, zum nettesten aller Starbucks-Kaffee-Servierer. Den Bagel-Mann darf ich nicht vergessen, sowie den Yoga-Lehrer und die vielen Doormen. Ach ja, dem Zeitungstyp gegenüber und meiner liebsten Kassiererin im Supermarkt muss ich noch ‚Good-Bye‘ sagen. Ihr seht: Mir bleibt gerade nicht allzu viel Zeit zum Schreiben, aber morgen sitze ich ja lang am Flughafen und dann im Flieger. Und bis dahin sammle ich noch die letzten Eindrücke ein.

In diesem Sinne: Bis bald, also gleich, na ja, im Grunde genommen gefühlt sofort nachher eben.

1952. Stunde: Halleluja!

„Keine Fotos, bitte! Wenn Sie einen Termin bis 12:30 Uhr haben sollten, dann bleiben Sie am besten gleich vor der Tür, denn so lange müssen Sie sitzen bleiben. Und jetzt stellen Sie sich bitte in Zweierreihen auf, damit wir den Überblick bewahren. Das soll jetzt nicht militärisch klingen. Es geht schlicht und einfach darum, die Massen zu kontrollieren!“ Aha! Und jetzt ratet mal, wo ich war?!?! Vor einer Kirche, zu einem Gottesdienst. Und der, der diese Worte verloren hat, ist der Aufseher dieser Kirche, der Abyssinian Baptist Church in Harlem. Dort warten jeden Sonntag Massen von Touristen darauf in die heiligen Hallen zu dürfen, aus nur einem Grund: Den Gospelchor zu hören. Und heute war ich einer dieser Touristen. 90 Minuten habe ich gewartet in die Kirche zu dürfen, wurde dann an meinen Platz geführt, während die Messe schon im vollen Gang war. Und das war erst das Aufwärmprogramm!

So richtig rund ging es in diesen Gemäuern, als der Priester anfing zu predigen. Halleluja!!!! Hätte er Deutsch gesprochen, keine geistliche Kleidung getragen und noch dazu eine andere Hautfarbe gehabt, hätte man ihm durchaus die Zugehörigkeit einer gewissen (hoffentlich bald verbotenen) Partei unterstellen können. So etwas habe ich noch nie erlebt! Die Predigt war unglaublich rassistisch, null objektiv und meiner Meinung nach hunderttausende Kilometer vom kirchlichen Verständnis entfernt. Am liebsten wäre ich aufgestanden und gegangen. Aber alle Türen wurden während der Predigt geschlossen. Als ob man uns hätte einsperren wollen. Das schlimmste jedoch: Der Kerl in der gläubigen Robe hat geschrien, dass ich hoffte das Mikrofon würde einfach mal den Geist aufgeben. Unglaublich!

Ach ja, der Gospelchor, der ja der eigentliche Grund des Besuches war, hat schon ganz gut gesungen. Klar, der wird mit seiner Performance sicher nicht auf Welttournee gehen, aber es hat gerockt, konnte jedoch die zuvor beschrieben Rede nicht wieder wett machen. Leider!

1934. Stunde: Leuchtende Kinderaugen

Wer zur Weihnachtszeit in New York ist muss nicht zum Rockefeller Centre, wenn die Beleuchtung angeknipst wird. Da sieht man eh nichts außer eben den Hinterkopf des Vordermanns und den Ohrenschmalz des Typen nebenan. Auch der Weihnachtsmarkt am Union Square ist so lala, ok, na gut, nett. Aber der Bryant Park ist ein Muss. Und der Nussknacker von Tschaikowsky ist das Sahnehäubchen oben drauf – zumindest wenn das New York City Ballet zu dieser Musik tanzt. Und diese Leckerei habe ich mir nicht entgehen lassen….

Die Musik ist für mich persönlich Weihnachten pur und lässt die Mundwinkel schon leicht nach oben wandern. Wenn dann noch die Tänzer auf die Bühne kommen, leuchten die Augen, das Schmunzeln wird zum Grinsen und ich zu einem kleinen verzauberten Kind. Nur ohne Tutu, auch wenn das so manch jüngerer Besucher im Zuschauerraum anhatte. Kein Witz! Jedoch sahen die Damen auf der Bühne damit viel besser aus. Oder etwa nicht?

Hach, allein das Bild bringt mich schon wieder zum Träumen…!

1883. Stunde: Kitschigkeit kennt (k)eine Grenze

Ich liebe New York. Das kann ich ohne Zweifel sagen. Mit all seinen guten, schlechten, sauberen, traumhaften, abgeranzten, kulissenhaften und dreckigen Ecken ist der Big Apple kaum unliebbar. Aber es gibt auch Grenzen. Eben wie in einer echten Beziehung. Manche Dinge sind dann einfach doch zu viel – auch wenn es eigentlich noch viel mehr gibt, was man liebt. Wovon ich rede? Der Kitschigkeit. Denn bei diesem Thema haben New York und ich noch keinen gemeinsamen Nenner gefunden. Hier der Beweis. Weihnachtsbaum Schmuck USADieses KlimBim-Zeug gehört an den Weihnachtsbaum. Zumindest gibt das die kapitalistische, marketingegetrieben New Yorker Welt vor. Ich sage „Nein“, aber der New Yorker Markt geht noch weiter….

Weihnachtsbaum Schmuck USAWeihnachtsbaum Schmuck USANimm es mir nicht übel, liebes New York, aber zu viel ist dann doch doch zu viel. Sorry!

1881. Stunde: Geisterstadt

Wisst ihr, wann man in New York Angst bekommt? Wenn die Straßen leer sind, man in U-Bahnen Sitzplätze bekommt, die Geschäfte geschlossen sind und vor allem keine Autos fahren. Nein, ich bin nicht in einem Filmset gelandet, es gibt auch keine Tornado-Warnungen, sondern es ist einfach nur Thanksgiving. Ganz Amerika ist zu Hause bei der Familie und New York trifft sich zu großen Thanksgiving Parade sponsored by Macy’s. Und das sieht dann so aus:

Thanksgiving New York 2011 Macy's ParadeThanksgiving New York 2011 Macy's ParadeThanksgiving New York 2011 Macy's ParadeIch würd‘ sagen: idyllisch, amerikanisch, kitschig, toll. Ach ja, ich vergaß: festlich! Happy Thangsgiving, euch allen. Und nächstes Jahr mach‘ ich dann nen Truthahn. Also, vielleicht.

1862. Stunde: Das Abholkommando

Sie sind daaaaa!!!!!!! Darf ich vorstellen: Meine Mom und meine Schwester. Sie sind der Anfang vom Ende – und zwar nur in Bezug auf meinen New York Aufenthalt. Die Stunden sind gezählt und werden ab jetzt genutzt um noch einmal die schönsten Orte der Stadt abzuklappern. Ich freu mich, dass ihr da seid, auch wenn ich leider das amerikanische Empfangs-Tamtam am Flughafen nicht erfüllt habe.

Denn wie ich heute gelernt habe, holt man heute seine Liebsten nicht einfach nur ab, sondern bringt mindestens Luftballons mit oder (echte!) Blumen, die es am Flughafen in Automaten gibt. Verrückt, gell? Es kommt aber noch besser: Manch einer hat sogar Nicht-Anwesende mit Hilfe von iPad, Handy & Co an der Ankunft der Reisenden teilhaben lassen. Mit anderen Worten: Statt Umarmung und Küsschen bekam der Reisende ein elektronische Gerät ins Gesicht gehalten. Ein seltsames Phänomen, wenn ihr mich fragt.

1829. Stunde: Sonnen(loser)aufgang

Gestern vorm Einschlafen ist mir die tolle (!!) Idee gekommen, dass ich New York unbedingt noch beim Sonnenaufgang sehen muss. Also habe ich die Sonnenaufgangszeit gegoogelt, den perfekten Ort für das Spektakel recherchiert und den Wecker auf 4.30 Uhr gestellt. Denn, wenn den Online-Profis glaubt, ist Hoboken der beste Ort für ein Sonnenaufgangsspektakel, weil man auf ganz Manhattan schaut und die Sonne hinter den Wolkenkratzern empor steigt. Perfekt, dachte ich mir. Und so schlief ich mit einem Lächeln ein….

Als ich heute morgen dann kurz vor 5.00 Uhr aus dem Haus trat, hat mich eine feuchte Nieselregenwand empfangen. Jeder vernünftig denkende Mensch wäre umgedreht und wieder ins Bett gekrabbelt. Ich hab eich aber so auf den Sonnenaufgang gefreut, dass ich die Reise nach Hoboken antrat: Erst die U-Bahn zum Union Square, dann zur PATH-Train laufen und dann direkt ans Wasser. In treuer Begleitung von unzähligen Regentropfen.

Kurz gesagt: Es war kalt, es war nass und im Grunde genommen ziemlich sinnlos. Denn hätte ich mal kurz darüber nachgedacht, was es für Auswirkungen auf die Sonne hat, wenn es regnet, dann wäre die Enttäuschung am Wasser nicht allzu groß gewesen. Man hat nämlich nichts gesehen. Außer eben Wolken und ein paar Lichter. Aber die Silhouette wurde (natürlich!) nicht in alle erdenklichen Rotten getaucht, sondern blieb grau.

Natürlich ist es irgendwann hell geworden. Und das war schön zu erleben. Aber das war das frühe Aufstehen nicht wert. Immerhin: Ich bin noch einmal nach Hoboken zurück gekehrt, was ich ja angekündigt hatte. Also habe ich zumindest mein Wort gehalten!

 

1787. Stunde: Wie kalt ist das Wasser? Circa zwei Zentimeter!

Liebe „Das Brod“,

ich weiß, du hättest mich gern in als nur am Wasser gesehen, lieber in Badesachen statt mit Winterjacke – aber dafür hat es nicht gereicht. Weder mein Mut, noch meine Willenskraft, geschweige denn die nicht vorhandene Lust auf kaltes Wasser konnte mich ins Meer treiben. Aber ich habe mir das Verrückten-Spektakel der Polar Bears auf Coney Island angeschaut. So nennen sich nämlich jene, die ab November jeden Sonntag ins Meer springen – in Begleitung von nicht allzu wenigen Kameras, festem Schuhwerk, teilweise Handschuhen und Badesachen.

Wie das abläuft? Zuerst werden unzählige Interviews gegeben, dann kommt die komplette Meute (heute waren es circa 80 Leute) gesammelt mutigen Schrittes ans Wasser marschiert, stellt sich in einen großen Kreis auf um eine halbe Minute herum zu springen – zur Erwärmung. Und dann wird es ernst: Die Meute stürmt in Wasser in Begleitung von lauten, befreienden oder gar beängstigenden Ausrufen. Verrückt!!

Coney Island Polar BearsIm Wasser angekommen, stellt sich die Gruppe wieder in einem Kreis auf, alle nehmen sich an die Hand und man bekommt das Gefühl einem religiösen oder spirituellen Brauch beizuwohnen. Das legt sich aber in dem Moment, wo die mutigen Badenixen und stählernen Männer anfangen mit Tennisbällen umher zu werfen. Ein wirklich faszinierendes Spektakel. Ich vermute, mein Nacken wird morgen sogar leicht schmerzen von all dem Kopfgeschüttel….!

Coney Island Polar Bears„An einem Sonntag sind wir meist um die 80 Leute. Das ist normal. Wir werden erst mehr, wenn das Wetter schlimmer wird. Je mehr Schnee oder Sturm wir haben, desto mehr Leute sind wir auch“, erzählt uns ein Polar Bear, der schon seit elf Jahren Mitglied des Clubs ist – und damit mehr als nur meinen Respekt verdient. Jedoch gab es diesem Tag zwei Leutchens, die mit ihrer Coolness selbst die komplette Truppe von Eisbadern übertroffen haben: die David Haseloffs von Coney Island. Mit anderen Worten, die zuständigen Rettungsschwimmer. Oder habt ihr schon mal eine Strandaufsicht in Kapuzenpulli und Daunenjacke sowie kurzen Hosen gesehen?

Coney Island Polar Bears Ich bin froh, dass ich mich noch einmal auf den Weg nach Coney Island gemacht habe, um mir dieses Planschen live anzuschauen. Auch wenn man allein für die Anfahrt mindestens eine Stunde in der U-Bahn sitzt. Aber diese lachenden Gesichter sind wohl der beste Beweis, dass es sich gelohnt hat…

Und für die Rückfahrt haben wir uns vorsichtshalber noch bei Nathans gestärkt, einem Hot-Dog-Laden, den es schon seit 1916 gibt und der jährlich das Hot-Dog-Wettessen ausrichtet. Sehr lecker, auch wenn das hier vielleicht nicht ganz so rüber kommen sollte!

Nathan Hot Dog Coney Island